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Die ersten Tage & Alltag

Die erste Nacht mit dem Welpen

von Benjamin6 Min Lesezeit
Die erste Nacht mit dem Welpen

So kommt ihr durch die erste Nacht: Schlafplatz, Pipipausen, Umgang mit Weinen und realistische Erwartungen für die erste Woche.

Die erste Nacht ist selten ruhig. Das ist normal. Ein Welpe ist gerade aus seinem gewohnten Umfeld — Mutter, Geschwister, vertraute Geräusche — in eine neue Welt umgezogen. Dass er Kontakt sucht, ist kein Erziehungsproblem. Es ist Biologie. Mit ein wenig Vorbereitung und den richtigen Erwartungen wird die Nacht trotzdem für alle Beteiligten machbar — und die zweite ist meistens schon leichter.

Vorbereitung fängt tagsüber an

Wie die Nacht läuft, entscheidet sich zu einem guten Teil schon am Nachmittag. Ein Welpe, der über den Tag verteilt Neues erlebt hat, ein wenig gespielt hat und zwischendurch zur Ruhe gekommen ist, schläft nachts besser als einer, der bis 22 Uhr bespaßt wurde.

Wichtig ist die Balance: müde machen ja, überdrehen nein. Ein überreizter Welpe, der den ganzen Abend von Besuch zu Besuch gereicht wurde, kann nachts schlechter abschalten als ein gelangweilter. Plane deshalb die letzten ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen bewusst ruhig: kein wildes Spiel mehr, kein Besuch, gedämpftes Licht, ein letzter entspannter Gang nach draußen zum Lösen. Wie viel Ruhe Welpen generell brauchen, liest du in Ruhezeiten für Welpen.

Die letzte Mahlzeit gibst du am besten zwei bis drei Stunden vor der Nacht, danach nur noch wenig Wasser — so hält die Blase länger durch.

Der Schlafplatz: erst mal bei dir

Der Welpe schläft in den ersten Wochen idealerweise dort, wo du auch bist. Eine Box oder ein Körbchen direkt neben dem Bett funktioniert für die meisten gut: Der Welpe riecht und hört dich, du bekommst mit, wenn er unruhig wird oder raus muss. Beides ist in dieser Phase Gold wert.

Wenn der Hund langfristig woanders schlafen soll, ist das kein Problem — nur nicht in der ersten Nacht. Der Umzug an den endgültigen Schlafplatz gelingt später schrittweise: erst das Körbchen ein Stück vom Bett weg, dann an die Tür, dann in den Flur. Ein Welpe, der angekommen ist und Vertrauen gefasst hat, macht diese Schritte meist erstaunlich unaufgeregt mit. Mehr zur Wahl des richtigen Platzes findest du in Schlafplatz für den Welpen richtig wählen.

Praktisch bewährt hat sich außerdem: eine Decke mit dem Geruch der Mutter oder der Geschwister (viele Züchter geben eine mit), eine Unterlage für den Weg nach draußen und Kleidung, die du dir nachts schnell überwerfen kannst.

Worauf es in der ersten Nacht ankommt

Drei Dinge reichen:

  1. Nähe. Der Welpe schläft neben deinem Bett, nicht allein in der Küche. Alleinsein lernt er später in kleinen Schritten — nicht in der Nacht, in der ohnehin alles neu ist.
  2. Erreichbarkeit. Wenn er in der Nacht raus muss, muss er das anzeigen können — und du musst es mitbekommen. Stubenreinheit lernt sich nicht im Alleingang.
  3. Ruhe in deinem Verhalten. Kein hektisches Trösten, kein Schimpfen. Wenn er fiept, reicht oft eine Hand, die du ruhig in die Box oder ans Körbchen legst.

Wenn er weint: nicht ignorieren, aber auch nicht bespaßen

Hier lohnt sich ein differenzierter Blick, denn zwei gut gemeinte Extreme führen beide in die Sackgasse.

Ignorieren („der muss da durch") ist keine gute Idee. Ein Welpe, der minutenlang allein weint, lernt nicht Selbstständigkeit, sondern dass Rufen nichts bringt — und das ist keine Gelassenheit, sondern Resignation. Gerade in den ersten Nächten darf und soll er erfahren: Du bist da.

Jedes Fiepen mit Programm beantworten ist das andere Extrem. Wer bei jedem Geräusch das Licht anmacht, den Welpen hochnimmt und mit ihm redet, macht nächtliches Melden sehr attraktiv.

Die Mitte sieht so aus: Bei leisem Fiepen zunächst ruhig ansprechen oder die Hand hinhalten — oft reicht das, und der Welpe schläft weiter. Wird er richtig unruhig, steht wahrscheinlich eine Pipipause an (dazu gleich mehr). Bleib dabei betont langweilig: leises Licht, wenig Worte, keine Spielangebote. Nachts passiert nichts Spannendes — das ist die Botschaft.

Nächtliche Pipipausen: stell dir einen Wecker

Junge Welpen können ihre Blase nur wenige Stunden halten. Wenn du wartest, bis der Welpe sich meldet, ist es oft schon zu spät — oder er meldet sich gar nicht und löst sich in der Box.

Deshalb: Wecker stellen. In den ersten Nächten alle drei bis vier Stunden einmal raus, ruhig und ohne Umwege zur Löseecke, kurz loben, zurück ins Körbchen. Kein Spiel, kein Futter, kein Rundgang durch die Wohnung. Nach ein paar Wochen kannst du die Abstände verlängern, bis die Nacht durchgehalten wird. Wie das tagsüber weitergeht, steht in Welpen stubenrein bekommen.

Der Wecker fühlt sich anstrengend an, spart aber unterm Strich Nerven: Jeder verhinderte Unfall beschleunigt die Stubenreinheit — und du schläfst ruhiger, weil du nicht mit einem Ohr auf Geraschel lauschen musst.

Typische Fehler in der ersten Nacht

  • Den Welpen aus Verzweiflung ins Bett holen. Um drei Uhr nachts sehr verständlich — aber wenn du nicht willst, dass er dauerhaft im Bett schläft, schaffst du damit genau die Erwartung, die du später mühsam korrigieren musst. Rücke lieber das Körbchen näher ans Bett und leg die Hand hinein.
  • Nachts spielen oder füttern. Alles, was die Nacht interessant macht, wird wiederholt eingefordert. Pipipause heißt Pipipause, mehr nicht.
  • Schimpfen bei Unfällen. Ein Pfützchen um vier Uhr ist Alltag, kein Drama. Wortlos wegwischen, beim nächsten Mal den Wecker früher stellen.
  • Zu viel Programm am Abend. Ein überdrehter Welpe findet schlechter in den Schlaf. Der Abend darf langweilig sein.

Was du weglassen kannst

  • Die Idee, dass Welpen „durchschlafen müssen". In den ersten Wochen schaffen die meisten 3–4 Stunden am Stück.
  • Schlafzimmer-Verbote, die im Hauruckverfahren durchgesetzt werden. Kannst du später entspannt regeln, wenn der Hund angekommen ist.
  • Die ersten zwei Wochen alles „richtig" machen zu wollen. Niemand macht alles richtig. Es reicht, in der Tendenz richtig zu liegen.

Realistische Erwartungen für die erste Woche

Rechne damit, dass die ersten drei bis fünf Nächte unruhig sind und du zweimal pro Nacht raus musst. Das ist kein Zeichen, dass etwas schiefläuft — es ist der Normalfall. Meist wird es spürbar besser, sobald der Welpe seinen Platz kennt, den Rhythmus verinnerlicht hat und merkt, dass du verlässlich da bist. Nach ein bis zwei Wochen pendeln sich bei den meisten längere Schlafphasen ein. Wie die ersten Tage insgesamt gut gelingen, liest du in Welpe: die ersten Tage der Eingewöhnung.

Checkliste für die Nacht

  • Körbchen oder Box neben dem Bett, mit vertraut riechender Decke
  • Letzte Mahlzeit 2–3 Stunden vorher, letzter Löse-Gang direkt vor dem Schlafen
  • Ruhiger Abend ohne wildes Spiel und Besuch
  • Wecker für Pipipausen gestellt (alle 3–4 Stunden)
  • Kleidung, Leine und Taschenlampe griffbereit
  • Küchenrolle und Enzymreiniger für den Fall der Fälle
  • Dein Plan im Kopf: ruhig bleiben, langweilig sein, wenig Licht

Wann es Sorge wert ist

Wenn der Welpe stundenlang panisch ist, sich nicht beruhigen lässt, durchnässt zittert oder Symptome zeigt (Durchfall, Erbrechen) — Tierarzt. Sonst: durchatmen. Die zweite Nacht ist meistens schon ruhiger.

Benjamin

Benjamin steht hinter „Mein erster Hund“. Er schreibt über das, was in den ersten Monaten mit Hund wirklich zählt — ruhig, ehrlich, ohne Trendmethoden.