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Welpe einzieht — die ersten Tage und die echte Eingewöhnung
Was Welpen in den ersten 72 Stunden brauchen, was du als Mensch tun solltest und was du getrost bleiben lassen kannst.

Die ersten Tage mit einem neuen Welpen sind selten so romantisch, wie Instagram sie zeigt. Sie sind anstrengend, manchmal verwirrend und oft auch schöner, als man es vorher glaubt. Was hilft: realistische Erwartungen und ein paar wenige, klare Routinen.
Tag 1 — Ankommen
Wenn der Welpe ankommt, hat er gerade seine Mutter, seine Geschwister und seine vertraute Umgebung verloren. Das ist viel. Was er jetzt braucht:
- Ruhe. Kein Besuch, keine Nachbarn, keine Kinder-Geburtstagsparty. Wirklich.
- Trinkwasser an einem festen Platz.
- Eine Toilettenrunde im Garten oder draußen, gleich nach der Heimfahrt.
- Sein eigener Platz zum Rückzug — Decke, Box oder Körbchen.
- Dich, ohne ständige Bespaßung. Ein Welpe braucht keine Animation, sondern Verlässlichkeit.
Zur Mahlzeit: das gleiche Futter, das er beim Züchter bekommen hat. Umstellungen kommen später.
Die ersten 72 Stunden
In dieser Phase entwickelt sich die Bindung. Was funktioniert:
- Feste Bezugspunkte: Schlafplatz, Wassernapf, Fressplatz, Toilettenplatz draußen — alles bleibt am selben Ort.
- Häufige kurze Toilettengänge, mindestens alle 1–2 Stunden, sofort nach Schlaf, Spiel und Mahlzeit.
- Nähe zulassen, aber nicht erzwingen. Wenn der Welpe schläft, schlafen lassen.
- Geräusche normal halten — keine Schleichschritte, kein Flüsterton. Welpen lernen jetzt, wie der Alltag bei euch klingt.
Was du nicht tun musst: Tricks beibringen, „Sitz" üben, lange Spaziergänge planen. Die ersten Tage sind Beziehungs- und Sicherheitsaufbau, kein Trainingsprogramm.
Schlaf — viel mehr, als du denkst
Welpen schlafen 18–20 Stunden pro Tag. Schlechter Schlaf macht Welpen reizbar, beißfreudig und unkonzentriert. Ein Welpe, der „ständig hyperaktiv" wirkt, ist meistens ein Welpe, der zu wenig schläft.
Hilfreich:
- Geschützte Schlafmöglichkeit in der Nähe deiner gewohnten Aktivität, aber außerhalb des Lauffegers.
- Aktive Ruhepausen — Welpen finden allein oft nicht in den Schlaf. Ein bewusstes „Jetzt ist Pause" hilft.
- Box oder Auszeitbereich, wenn er nicht zur Ruhe kommt.
Toilettengänge — Stubenreinheit beginnt jetzt
Stubenreinheit ist kein Befehl, sondern eine Routine. In den ersten Tagen:
- Nach jedem Aufwachen → raus.
- Nach jedem Trinken → raus.
- Nach jedem Spiel → raus.
- Vor und nach jeder Mahlzeit → raus.
- Spätestens alle 2 Stunden → raus.
Bei jedem erfolgreichen Geschäft draußen: ruhig, freundlich loben. Kein Konfetti, aber ein klares „Fein". Drinnen-Pannen werden schweigend weggewischt — Schimpfen verzögert die Stubenreinheit, weil der Welpe lernt, sich zu verstecken.
Die zweite Nacht ist meistens besser
Die erste Nacht ist hart (siehe unseren eigenen Beitrag dazu). Ab der zweiten oder dritten Nacht legt sich vieles. Wenn der Welpe nach einer Woche immer noch panisch ist, lohnt sich die Rücksprache mit Züchter oder Tierarzt.
Familie und Besuch
Lass den Welpen ankommen, bevor du ihn der Welt vorstellst. Konkret:
- Erste 3 Tage: nur Kernfamilie, kein Besuch.
- Erste Woche: ein bis zwei vertraute Personen kurz vorstellen — bewusst ruhig.
- Erste 2 Wochen: keine großen Runden, keine Hundebegegnungen erzwingen.
Was du in dieser Phase nicht tun solltest
- Stundenlange Spaziergänge — Welpen brauchen wenig Bewegung, viel Ruhe.
- Erziehungs-Marathons — kurze, freundliche Einheiten von 2–3 Minuten reichen.
- Vergleichen — jeder Welpe ist anders, jede Eingewöhnung verläuft individuell.
Wann es Sorge wert ist
Tierarzt anrufen, wenn:
- mehrmals Erbrechen oder Durchfall,
- der Welpe apathisch ist und nicht trinkt,
- er stundenlang panisch fiept und sich nicht beruhigen lässt,
- er deutlich frisst, aber kaum Stuhl absetzt.
Sonst gilt: erste Tage sind anstrengend, das ist normal. Es wird ruhiger.



